Zum Abschuß des Braunbären "Bruno" im Rotwandgebiet am 26.06.06:

http://www.nabu.de/

Wildtier des Jahres 2005: der Braunbär

Seit 1835 in Deutschland ausgerottet / Hoffnung auf Rückkehr

Mit dem Braunbären hat die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild eine optimistische Wahl zumWildtier des Jahres 2005“ getroffen, denn Meister Petz ist bei uns bereits vor 170 Jahren ausgerottet worden. In den letzten Jahren  wandern aber vermehrt Bären aus dem Süden und Osten in die Alpen ein, so dass es hoffentlich nur eine Frage der Zeit ist, wann der erste Neu-Bär auf deutschem Territorium gesichtet wird. In Österreich werden bereits wieder etwa 25 Braunbären vermutet.

Die Schutzgemeinschaft rechnet damit, dass Meister Petz auch im deutschen
Alpenraum wieder heimisch wird. Das letzte Exemplar soll 1835 bei Ruhpolding
(Bayern) erlegt worden sein. Heute sind die Tiere mit einer kleinen Kolonie in der
Nähe der bayerischen Grenze, in Kärnten und der Steiermark anzutreffen. "Wenn
der Braunbär wieder nach Deutschland kommt, dann sollte er toleriert werden -
genau wie Luchs oder Wolf", forderte der Sprecher der Schutzgemeinschaft
Deutsches Wild, Werner Koep.

In ganz Europa leben noch etwa 6 000 bis 10 000 Braunbären. Die meisten Bären
gibt es in südosteuropäischen und osteuropäischen Ländern (an der Spitze
Rumänien/Karpaten mit rund 4 500) sowie in Schweden und Finnland (zusammen
mehr als 1 000). Die Tiere leben meist in unfruchtbaren, bewaldeten, bergigen

Regionen. Die Allesfresser erlegen Nagetiere und Huftiere, ernähren sich aber
vorwiegend von pflanzlicher Nahrung und bevorzugen dabei Beeren und Früchte.
Zur Winterruhe ziehen sich Braunbären in Erd- oder Felshöhlen zurück.


Der SPIEGEL am Abschußtag zum Thema Bär:

URL: spiegel/panorama/artikel/99/79020/article.html

26.06.2006 08:38 Uhr

Problembär

"Der Schuss ist gefallen. Der Bär ist tot."

Der seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreunende Braunbär ist am frühen Morgen in der Nähe des Spitzingseegebiets erschossen worden. Beim Bayerischen Jagdverband gehen nun Morddrohungen ein.

Braunbär „Bruno“ ist tot. Der seit Wochen im bayerischösterreichischen

Grenzgebiet umherstreunende Bär sei in der Nacht zu Montag in der Nähe des Spitzingseegebiets im Landkreis Miesbach von Jägern erschossen worden.

Ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums sagte, der Bär sei um 4.50 Uhr nahe der Rotwand bei Bayrischzell geschossen worden. Der bayerische Bärenbeauftragte Manfred Wölfl sagte: „Der Schuss ist gefallen. Der Bär ist tot.“

Nach Angaben des Ministeriums erlegte ein Team aus jagdkundigen Personen“ das Tier. Der Bär wurde demnach am Vormittag bereits von der Rotwand abtransportiert und zur wissenschaftlichen Auswertung gebracht.

WWF-Sprecher Jörn Ehlers bedauerte, dass der Braunbär nach wochenlanger erfolgloser Jagd schließlich getötet wurde: „Leider war das absehbar. Er ist uns ans Herz gewachsen, obwohl man auch die Gefahr sehen musste.“

Es sei - mit Unterstützung des WWF - alles getan worden, was möglich gewesen sei, um den Bären lebend zu fangen. „Wir hätten gerne noch weiter gemacht, aber die Erfolgschancen waren gering.“ Nun müsse man nach vorne schauen und sehen, wie man Bären künftig schützen könne.

Kritik von Tierschützern

Die Jugendorganisation des Bund Naturschutz in Bayern sprach von einer „Tragödie für den bayerischen Naturschutz“.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, es sei ihm nicht begreiflich, „warum man das Tier erschießen, aber nicht betäuben kann“. Er unterstrich aber zugleich, dass er seinen bayerischen Kollegen Werner Schnappauf (CSU) „gut verstehen“ könne.

Dieser habe schließlich verhindern müssen, dass jemand zu Schaden komme: „Ich hätte nicht anders entscheiden können in dieser Lage.“

Der Deutsche Tierschutzbund kündigte rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen an.

Wochenlang gelingt es angeblich nicht, den Bären einzufangen; kaum wird er zum
Abschuss freigegeben, ist er auch schon tot“, kritisierte Tierschutzbund-Präsident
Wolfgang Apel.

Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, auch wenn das Bruno nicht wieder
lebendig macht“, betonte Apel. „Ein solcher Vorfall darf sich nie wieder wiederholen.“
Der Abschuss des Bären widerspreche einer Vielzahl internationaler
Artenschutzvereinbarungen, etwa der Berner und der Bonner Konvention, der FFH-Richtlinie und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Zudem verstoße der Abschuss gegen das Tierschutzgesetz.

Der Umweltpolitiker der bayerischen Grünen Christian Magerl kritisierte: „Das
Umweltministerium hat seine erste Bewährungsprobe im Umgang mit einem wilden Bären gründlich vergeigt.“

Morddrohungen gegen Jäger

Nach der Nachricht vom Abschuss des Bären gingen beim Landesjagdverband Bayern in Feldkirchen Morddrohungen und wüste Beschimpfungen ein.

Einem Verbandssprecher zufolge bekamen die Jäger schon Dutzende E-Mails aus ganz Deutschland. Darin würden die zunächst noch unbekannten Schützen beispielsweise als Mörder beschimpft, die das gleiche Schicksal ereilen solle wie den Bären.

Der Präsident des Landesjagdverbandes Bayern, Jürgen Vocke, hatte sich zuvor
zurückhaltend zum Abschuss von Braunbär „Bruno“ geäußert: „Einerseits bedauern wir die Tötung des Bären, auf der anderen Seite sind wir froh, dass keine Personenschäden zu beklagen waren.“

Die Einschätzung der Bärenexperten und die Erfahrungen der letzten Tage hätten
gezeigt, dass der Braunbär absolut keine Scheu vor den Menschen zeigte und somit
potenziell gefährlich war.

Ich hoffe, der nächste Bär, der sich in Bayern zeigt, ist nicht mit so vielen Problemen verbunden und zeigt die natürliche Scheu vor den Menschen, damit er dann auch ungestört in Bayern seine Fährten ziehen kann“, betonte Vocke.

Zunehmend weniger Scheu vor Menschen

Der Braunbär streunte seit Mitte Mai zwischen Bayern und Österreich, riss dabei
zahlreiche Schafe und Hasen. Außerdem verlor er zunehmend die Scheu vor Menschen.

Nach wochenlangen vergeblichen Versuchen, das Tier lebend zu fangen, war JJ1, wie der Bär offiziell heißt, zu Wochenbeginn in Tirol und Bayern wieder zum Abschuss freigegeben worden.

Die Regelung war am Freitag erlassen worden und sollte nach der Veröffentlichung zu Wochenbeginn wirksam werden.

Ich weiß, dass die Entscheidung unpopulär ist“, hatte Tirols Landesrat Anton Steixner mit Blick auf die Abschussgenehmigung eingeräumt. Der Bär sei jedoch zur Gefahr für Menschen geworden.

Wenn ein normaler Bär sich wieder einmal nach Tirol verirrt, heißen wir ihn herzlich
willkommen.“

Vergebliche Jagd der finnischen Experten

Zuvor war es auch den vielgerühmten finnischen Bärenjägern mit ihren speziell
ausgebildeten Hunden nicht gelungen, den Bären zu stellen. Die finnischen Bärenjäger waren nach zwei Wochen erfolgloser Fangversuche, in der die Abschussgenehmigung ausgesetzt war, wieder abgereist.

Die fünf Finnen hatten „Bruno“ mit ihren sechs Hunden zwei Wochen lang verfolgt. Die Bärentruppe war dabei 500 Kilometer zu Fuß in gebirgigem Gelände unterwegs und erklomm mehr als 10.000 Höhenmeter.

Ursprünglich wollte ein Teil des Teams bis Montag bleiben. Jedoch reisten alle Finnen bereits am Freitag ab. Menschen und Hunde seien völlig erschöpft gewesen, sagte Steixner.

Der Einsatz war nicht nur extrem schwierig und körperlich anstrengend, sondern auch gefährlich“, unterstrich Steixner. Die Kosten des Einsatzes von rund 30.000 Euro teilen sich Bayern und Tirol.

Noch am Samstag war das Tier mehreren Mountainbikern begegnet. Sie hatten ihm
zugesehen, wie er durch den Soinsee im Landkreis Miesbach schwamm. Nach seinem Bad dort hatten drei Wanderer „Bruno“ beobachtet, wie er ins Gebirge aufstieg. Die drei verfolgten ihn, woraufhin sich der Bär zu ihnen umdrehte und sie den Rückzug antraten.

Gegen Abend hatte der Bär in der Gegend ein Schaf gerissen. Bereits am Freitag hatte der Bär bei Thiersee nahe Kufstein ein weiteres Schaf getötet.

(AP/dpa/ddp_bay)

Persönl. Kommentar: Ein wilder Bär "streunt" nicht, sondern ist zur Futtersuche unterwegs oder auf der Flucht vor Feinden (oder falschen Freunden). Die Tragik des Falles liegt in der Unvereinbarkeit von kommerziell-technisch orientierter Zivilisation und "wildem", unkontrollierbarem Leben, das nur noch in Relikten (hier sind nicht Zoos gemeint) überleben darf. Ich möchte dem beeindruckenden tierischen Kurzzeit-Gast in Bayern ein kleines Marterl gewidmet sehen, auf das folgender Text geschrieben werden könnte:

Bär im Pyrenäenzoo

                                 Zum Gedenken an Bär Bruno,
                                  erschossen am 26. Juni 2006:

Hier schoß man Dich, Du „Bruno-Bär“.

Wer's tat? Irgendein Irgendwer.

Da hast Du nun die ew'ge Ruh

Und schaust von ganz dort oben zu,

Wie Mensch sich vor der Wildnis schützt

Und alles tut, was Fortschritt nützt.

Als Mahnmal steht hier dieser Stein:

Wer soll die Krone der Schöpfung sein?

Weitere Wildtier-Schicksale:

Vor 30 Jahren waren Mauersegler und Kiebitze in meinem Landkreis noch regelmäßig anzutreffen. Der Bestand ist heuer so gut wie erloschen. Es besteht nicht viel Hoffnung, dass sich dieser bedauernswerte Zustand in den nächsten Jahren wieder zum Bessern wenden wird. Deshalb sei auch diesen, in jeder Weise bemerkens- und bewundernswerten Tieren hier ein Andenken gesetzt.

Mauersegler

Kiebitz

1984 brachte die Gruppe "Guglhupfa" ein Lied, das die möglichen Ursachen des Artenschwunds in unserer bayrischen Heimat thematisiert.
<Kiebitzlied.mp3>
Hinweis: Das Stück wurde von mir zu Beginn und am Ende ergänzt mit dem typischen Kiebitzruf. Die Qualität der von Schallplatte auf PC überspielten Aufnahme genügt nicht professionellen Ansprüchen, aber Text und Musik sind einmalig und machen betroffen. Bitte wegen des Urheberrechts nur anhören, nicht speichern! Die komplette Schallplatte "Tohuwabohu" gibt es eventuell noch zu kaufen.

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Hier sollte jeder (besonders sog. "Entscheidungsträger"!) einmal den Art. 141 der Bayrischen Verfassung gründlich lesen und beachten:

(1) Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist, auch eingedenk der Verantwortung für die kommenden Generationen, der besonderen Fürsorge jedes einzelnen und der staatlichen Gemeinschaft anvertraut. Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt. Mit Naturgütern ist schonend und sparsam umzugehen. Es gehört auch zu den vorrangigen Aufgaben von Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts,
Boden, Wasser und Luft als natürliche Lebensgrundlagen zu schützen, eingetretene Schäden möglichst zu beheben oder auszugleichen und auf möglichst sparsamen Umgang mit Energie zu achten,
die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu erhalten und dauerhaft zu verbessern,
den Wald wegen seiner besonderen Bedeutung für den Naturhaushalt zu schützen und eingetretene Schäden möglichst zu beheben oder auszugleichen,
die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre notwendigen Lebensräume sowie kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten.